Gebäude der Pfarrkirche

Im Jahr des "wiederhergestellten Heiles", 1623, als Papst Gregor XV. die Geschicke der Kirche lenkte und Kaiser Ferdinand II. das Zepter des römischen Reiches hielt, wurde, nachdem das Passauer Diözesankonsistorium am 21. Juni seine Zustimmung gegeben hatte, der Grundstein für das Franziskanerkloster in  Neulengbach gelegt und mit dem Bau begonnen. In fünf Jahren war der Bau vollendet.

Unter dem Pontifikat des Papstes Urban VIII. wurden im Jahr 1627 am Festtag der hl. Katharina die Brüder zum neuerbauten Kloster geführt. Vorher hatten sie mangels einer Unterkunft die Gastfreundschaft auf dem Schloß  genossen. Der Umzug erfolgte in feierlicher Prozession unter Begleitung der Marktbewohner. Fast alle Superiore der Provinz nahmen mit der Gründerin, Freiin Maria Khuen, und deren Tochter Franziska an der Feier teil. Das Amt des Guardian wurde P. Johannes Baptista Kloepfer übertragen. Die Obsorge über die  Brüder, auch als geistlicher Vater, hatte der päpstliche Syndicus Valentinus Graulacher über.
Nach seinem Tod folgte Gebhardus Waibl, Bürger und Richter in Neulengbach. Die ersten Patres waren: Angelus Sinibath, Matthias Neumayr, Johannes Beuchel, Paulus Spez, Franziskus Khuen, Lambertus Hogl und Ferdinand Kugelmann. Als Laien wirkten Johannes Köpfl, Michael Heuserer, Adjutus Dünslbacher, Simon Haan und Junipertus Perger.
 
Stiftungsurkunde der Freiin Maria Khuen für das Franziskanerkloster
Im Namen Christi. Amen. Im Jahre 1628 am 14. April (in Wien) in den Gebäuden in der Wisenburgstraße, die der illustren Gründerin und Testamentsvollstreckerin gehoren. Im 8. Jahre des Pontifikates des durch die göttliche Vorsehung berufenen Papstes Urban, im 4. Jahre des Kaiserthums Ferdinands II., im 8. Jahre seiner Königsherrschaft.
Bekannt und offenkundig sollen jene Bestimmungen werden, die mir in Gegenwart der Untenstehenden Zeugen von der sehr vornehmen Frau Maria Khuenin, Freifrau, geb. Werk(in) de Taub und Leipp, auch Herrin auf Burg Neulengbach genannt, als Witwe dargelegt wurden: Sie wolle das Testament ausfuhren, daß Herr Eusebius Khuen von Belasii, in Lichtenberg, Freiherr auf Burg Neulengbach, Ritter des St. Jakobsordens de Espada, geheimer Rath der Kaiserlichen Majestät, Kämmerer und Stallmeister, der Gatte der hochgeliebten Herrin, fromm entschlafen, am 22. April 1622 abgefaßt hatte, soweit es die Gründung und Erbauung eines Klosters der Brüder und Religiösen des Ordens des Hl. Franziskus strenger Observanz in Neulengbach betrifft.
Um das genannte Kloster für die Dauer auf eine feste Grundlage zu stellen hat sie nun folgendes verfügt:

1.

Beistellung aller Materialien und Übernahme aller Kosten fur die Fertigstellung des Klosters, dessen Bau bis zur Dachgleiche fortgeschritten ist. Bis dahin will sie für den Unterhalt der Mönche sorgen und auch die Paramente und den Schmuck der Kirche bezahlen.

2.

Sie wünscht, daß nach Fertigstellung des Baues ständig zwölf Religiosen, sechs Priester und sechs Fratres im Kloster wohnen, wie es den Wünschen ihres verstorbenen Gatten entspricht. Sollte der Pfarrer Neulengbachs krank werden oder sterben, sollten die Brüder aus christlicher Liebe an Sonntagen und Festtagen Beichte hören und Messe lesen. Die zur pfarrlichen Stola zählenden Sakramente, wie etwa Taufe und Trauung u. a. dürfen sie nicht spenden.

3.

Durch die Ordensstatuten ist den Religiosen ein eigener Besitz verwehrt. Andererseits können mit den Almosensammlungen im Umkreis der Burg die Lebensnotwendigkeiten nicht gekauft werden. Daher hinterlegt sie aus dem Vermächtnis des Gatten 30.000 und weitere 10.000 fl. aus eigenem bei den Landständen gegen jährliche Verzinsung. Richter, Rat und die ganze Marktgemeinde Neulengbach haben sich schriftlich verpflichtet, die Verwaltung zu übernehmen. Jährlich sind 6% Zinsen bei den Delegierten der Landstände zu beheben und für Nahrung und Kleidung, soweit es sich mit dem Gebot der Armut vereinen läßt, zu verwenden. P. Benignus in Genua, der ,,minister generalis" des Ordens, hat seine schriftliche Zustimmung gegeben.

4.

Jährlich sollen den Mönchen 100 Urnen Wein - nach ihrem Tode nur unter dem Titel des Almosens - gegeben werden.
5. Wenn das Kloster durch Ereignisse wie Brand, Sturmschaden, Altersschwäche oder andere Unglücksfälle geschädigt wird oder in Ruin verfällt, sollen weitere 10.000 fl. herangezogen werden, die die Klostergründerin ebenfalls gegen Jahreszinsen bei den Ständen hinterlegt und die ebenfalls von Richter und Rat des Marktes Neulengbach zu diesem Zwecke einkassiert werden sollen. 
Als Zeuge Tobias Schwab, Dr. jur., päpstlicher Protonotar, Domberr zu Olmlitz und Wien, Rath und Offizial des Kardinals Melchior Khlesl usf. und Georg Hauerfelder, Priester und Kurat bei St. Stephan.
 
Die letzten Jahrzehnte der Nikolauskirche und des Franziskanerkonvents
Die Bürger von Neulengbach unternahmen sehr viel, um die Pfarrkirche St. Nikolaus instand zu halten und zu verschönern. Ihre Bemühungen, wieder einen eigenen Priester zu bekommen, blieben aber erfolglos. 1767 wird die Kirchenausstattung von St. Nikolaus folgendermaßen beschrieben: ,,Außer dem Hochaltar mit dem Bild des hl. Nikolaus, gibt es vier Seitenaltäre für die Heiligen Sebastian, Magdalena, Maria und Erhard. Der Altar des hl. Erhard war der Altar der Schusterinnung. Sebastian war der Patron gegen die Pest. Der Taufstein ist schön. Die Friedhofskapelle, auch Beinhaus genannt, im ummauerten Friedhof, ist baulich in Ordnung." Um 350 Gulden brachte 1779 die Bruderschaft zu Ehren der Rosenkranzkönigin einen neuen Altar zur Aufstellung. Diese Bruderschaft ist seit 1709 nachweisbar. Damals stiftete Paul Goll, Müllermeister in der Sandmühle, der Bruderschaft zwei Tagwerk Wiesen. 1767 war ihr Vermögen großer als das der Pfarrkirche. Das Pfarrkapital beruhte in erster Linie auf Stiftungen für die Armen. Die Familie des Marktrichters Tobias Höltl beispielsweise hatte 1731 Gedächtnismessen gestiftet und bestimmt, daß nach den Gottesdiensten je zwei Semmeln an die Armen verteilt werden sollten.
Am 20. März 1779 brach um acht Uhr früh durch den Küchenrauchfang des Franziskanerklosters ein Brand aus, der innerhalb von zwei Stunden Kloster und Kirche einäscherte. Ein starker Wind trug Rauchschwaden und Funken bis in den Ort Au, wo mehrere Häuser zu brennen begannen. Während dieser Katastrophe erschien unerwartet der Offizial des Franziskanerordens und ordnete die sofortige Wiederherstellung des Baues an.
Als das Dach der Nikolauskirche schadhaft geworden war, mußte der Dechant von Königstetten nach Neulengbach kommen. Es dürften sich auch andere Bauschäden an der Kirche herausgestellt haben. Damals ging bereits das Gerücht um, Kaiser Josef II. wolle das Kloster in Neulengbach auflösen.
Am 10. Oktober 1786 brachten kaiserliche Kommissäre tatsächlich das Dekret über die Auflösung des Franziskanerklosters und verfügten, daß das Klostergebäude innerhalb von drei Wochen geräumt werden müsse. Der Vicar Onufrius übersiedelte nach Wien, nach St. Pölten zogen der Bibliothekar P. Silveri, der Prediger P. Dominikus und die Patres Johann, Gotthard und Fulgentius. Mit den Brüdern Josef , Leo and Daniel zogen sechs Laienbrüder, nämlich der Koch, der Kellner, der Schuster und der Schneider, weiters der Gärtner und der Pförtner nach Maria Enzersdorf.

Schließlich mußte sich auch der P. Giardian, Clemens Primer, von seinem Kloster trennen und nach Wien ziehen. Zwei Patres, Epiphan Pierra und Gilbert Ram, durften in Neulengbach als Hilfe fur den neubesteliten Pfarrer Anton Berger, bleiben. Jetzt wurde wieder die Pfarre Neulengbach in der alten Nikolauskirche installiert. Die Klosterkirche wurde entweiht. Schon vor der Verlautbarung der Klosteraufhebung war der Schloßherr, Baron Wetzlar von Plankenstern, an die Regierung herangetreten, er wolle das Klostergebäude um 6000 Gulden erwerben und dort eine Baumwoll- und Strumpffabrik einrichten. Das Kreisamt befürwortete das Ansuchen mit der Begründung, die Manufakturen würden der Bevölkerung eine ständige Einnahmequelle bieten. Die Regierung erhöhte die Forderung auf 8000 Gulden und als weitere Auflagen die vollständige  Instandsetzung der Nikolauskirche, den Neubau einer Schule und Mittel für den Umbau des Pfarrhofes. Die Regierung entsandte den Hofarchitekten Nigelli nach Neulengbach, um Kostenvoranschläge zu erstatten. Obwohl Wetzlar bereits begonnen hatte, das Kloster für eine Fabrik einzurichten and einige Werkmeister in Neulengbach schon tätig waren, zögerte er nun, die Forderungen der Regierung anzunehmen

Das älteste Ratsmitglied von Neulengbach, der Gastwirt Leopold Haberth, war inzwischen an die Regierung herangetreten, die Klosterkirche als Pfarrkirche und das Klostergebäude als Pfarrhaus and Schule zu verwenden. Am 24. November 1789 wurde Baron Wetzlar aufgefordert, Klosterkirche und Kloster zu räumen. Der Religionsfonds wurde beauftragt, die entweihte Klosterkirche als Pfarrkirche zu verwenden und die Nikolauskirche und das alte Schulhaus zu versteigern, um einen Teil der Kosten hereinzubringen. Das Schulhaus wurde beim dritten Versteigerungstermin am 27. Dezember 1791 um 760 Gulden verkauft.
Abgesehen von der Aufhebung des Klosters war die Bevölkerung auch von den übrigen Reformen Kaiser Josefs II. betroffen. Das heilige Grab zu Ostern wurde verboten. Vom Februar 1784 an mußten die Toten ohne Sarg, nur in Säcke genäht, bestattet werden. Dies brachte ,,Unruh und starke Kränknis des Gemüts". Am 15. Oktober 1784 wurde in der Nikolauskirche zum letzten Mal die Messe gelesen. Am 5. März 1785 wurde sie vom Dechant von Ollersbach entweiht und die Apostelkreuze abgekratzt. Schließlich wurde sie 1791 abgetragen.
In die neue Pfarrkirche kamen von der Nikolauskirche ein kupfernes Weihwasserbecken aus dem Jahr 1615, eine große Glocke und das Zügenglöckchen. Zwei Glocken kamen 1785 nach Kirchschlag bei Martinsbrunn, die älteste Glocke, sie stammte aus dem Jahr 1585, wurde nach Süßenbach transportiert. Die Kirchenstühle wurden an einen Neulengbacher Tischler um 5 Gulden verkauft. Für das Alteisen zahite der Geschmeidehändler Reichel, Bürger von Neulengbach, zwei Kreuzer je Pfund. Der Bruderschaftsaltar ging nach Johannesberg. Die Orgel wurde erst am 2. Februar 1790 nach Vitis gebracht. Die Laurenzikirche in Markersdorf erhielt die beiden Altarbilder "Rosenkranzkönigin" und "Kreuzabnahme".
Quelle: Neulengbacher Heimatbuch (1984)