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Wer ist dieser Jesus für mich?
Ein religiöser Fanatiker?
Ein Provokateur, der den Bogen überspannt hat?
Oder kann auch ich sagen und bekennen:
Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
(Hütter)
Eines Tages kam einer
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Zauber in seiner Stimme,
eine Wärme in seinen Worten,
einen Charme in seiner Botschaft.
Eines Tages kam einer,
der hatte eine Freude in seinen Augen,
eine Freiheit in seinem Handeln,
eine Zukunft in seinen Zeichen.
Eines Tages kam einer,
der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern,
eine Kraft in seinem Wesen,
eine Offenheit in seinem Herzen.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Vater in den Gebeten,
einen Helfer in seinen Ängsten,
einen Gott in seinen Schreien.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Geist in seinen Taten,
eine Treue in seinen Leiden,
einen Sinn in seinem Sterben.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Schatz in seinem Himmel,
ein Leben in seinem Tode,
eine Auferstehung in seinem Grabe.
Gebet
Herr, mache mich
zu einem Werkzeug deines Friedens:
Dass ich dann, wenn ich etwas zu sagen habe,
mich einsetze für die Schwachen und Hilflosen;
dass ich dann, wenn ich im Mittelpunkt stehe,
mich um die kümmere,
die ins Abseits geraten sind;
dass ich dann, wenn ich „Farbe bekennen muss“,
auch zu meinem Wort stehe;
dass ich dann, wenn ich Fehler gemacht habe,
bereit bin, zu dem zu stehen,
was ich gemacht habe;
dass ich dann,
wenn ich etwas wiedergutzumachen habe,
mich ohne Einschränkung dazu bekenne;
dass ich dann, wenn ich Verzeihung erwarte,
auch selber bereit bin,
uneingeschränkt zu verzeihen! (Peter Boekholt)
Zum Schweren halten (Rainer Maria Rilke)
Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen)
alles nach dem Leichten hin gelöst
und nach des Leichten leichtester Seite;
es ist aber klar,
dass wir uns an das Schwere halten müssen;
alles Lebendige hält sich daran,
alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein
und gegen allen Widerstand.
Wir wissen wenig, aber
dass wir uns zu Schwerem halten müssen,
ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird;
es ist gut, einsam zu sein,
denn Einsamkeit ist schwer;
dass etwas schwer ist,
muss uns ein Grund mehr sein, es zu tun.
Palmsonntag
Ich höre die Leidensgeschichte Jesu,
die verknüpft ist mit so vielen Menschen:
Frauen und Männern,
Mächtigen und Ohnmächtigen,
Anhängern und Feinden,
Getreuen und Verrätern,
Verstockten und Reumütigen,
Grausamen und Mitleidenden,
Bekannten und Namenlosen.
Und ich?
Was hat das mit mir zu tun?
Komme auch ich in dieser Geschichte vor?
Zu welcher Gruppe muss ich mich zählen?
Wie hätte ich mich damals verhalten?
Wie verhalte ich mich heute?
Was ist dieser Jesus mir wert?
Um welchen Preis verkaufe ich ihn?
Wo setze ich mich für ihn ein?
In welche Ausreden flüchte ich mich?
Wo zeige ich Farbe?
Wann verberge ich mein Christsein?
Leidensgeschichte - damals wie heute.
Welche Rolle spiele ich darin?
© Gisela Baltes
GESCHICHTE ZUM EINZUG IN JERUSALEM
ANNA HOSI BRINGT DIE JÜNGER AUF DIE PALME
Vor etwa 2000 Jahren lebte zu Jerusalem eine ältere Dame namens Anna Hosi.
Sie war Witwe in einem kleinen Haus, das von einem liebevoll gepflegten Garten umgeben war.
Kamen ihre Kinder mit den Enkeln zwischendurch zu Besuch, saß, spielte und erzählte man gerne im Schatten einer prächtigen Palme, die zusammen mit anderen Bäumen, blühenden Blumen und Gemüsebeeten eine richtige Oase bildete. Die Palme, da waren sich sämtliche Botaniker Jerusalems einig, war mit Abstand die schönste in der königlichen Stadt. Kein Wunder also,
dass Passanten oftmals am Zaun stehen blieben und die kleine, aber feine Idylle bewunderten.
Nun war Anna Hosi zudem auch eine gottesfürchtige Frau, die häufig in den Tempel ging.
Und dort hörte sie besonders gerne die Ansprachen des berühmten Reisepredigers Jesus.
Seine Reden gingen nicht nur sehr zu Herzen, er konnte auch außergewöhnliche Heilungen und Wunder vollbringen, was regelrechte Menschenmassen anzog. Ja, so einen König sollte man haben,
einen, der sie von der unbarmherzigen Herrschaft der Römer befreien könnte.
Das dachten sich auch seine Jünger und so setzten sie ihn eines schönen Tages auf einen Esel, warfen Kleider vor ihm auf den Weg und winkten ihm mit Palmwedeln zu, während er an ihnen vorbeiritt.
Dabei riefen sie fröhlich: „Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“
Der Lärm erreichte bald auch Anna Hosis Ohren, die neugierig an den Gartenzaun kam, um nachzuschauen, was denn da draußen los sei. Und da sah sie ihn schon von weitem kommen: Jesus auf dem Esel und die ganzen Leute, die ihm mit Zweigen zuwinkten – es wurden immer mehr. Langsam aber unaufhaltsam schob sich die Menge vorwärts in Richtung des Gartens von Anna Hosi. Und unaufhörlich riefen sie
„Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“
Hosianna heißt so viel wie „Hilf Herr!“ und das hoffte auch Anna Hosi sogleich, dass Gott diesem wunderbaren Jesus beistehen würde. Indessen strömten weitere Menschen aus anderen Straßen hinzu und pflückten noch mehr Zweige am Wegrand um mitzumachen.
Es war ein riesiges Spektakel und Gedränge an den umliegenden Bäumen.
„Hierher!“ rief Anna Hosi einigen Jüngern, die spät dran waren, beherzt zu. „In meinem Garten sind die schönsten Palmwedel!“ Na, das brachte die Jünger vielleicht auf die Palme! Im Nu flogen die mächtigen Wedel zu Boden und wurden den Jüngern regelrecht aus den Händen gerissen. Gerade noch rechtzeitig. Denn da nahte Jesus schon auf dem Esel. Die nicht besonders große aber großartige Anna Hosi stand nun selbst am Zaun und schwenkte begeistert ein riesiges Palmblatt. „Hosianna dem Sohn Davids!
Hosianna in der Höhe!“, brüllte Anna Hosi aus tiefstem Herzen. „Hosianna! Hosianna!“
Da sah Jesus direkt in ihre Augen, lächelte (Ach, welch ein Lächeln!), hob eine Hand und
winkte ihr fröhlich zu. Ihr. Ihr allein. Anna Hosi stand da mit klopfendem Herzen und sah ihm nach,
wie er langsam im Gedränge der Menschen irgendwann hinter einer Ecke verschwand.
Zu viele Menschen, als dass die alte Dame sich noch dazwischen gewagt hätte.
Aber sie hatte auch so das Gefühl, dass dies nicht mehr nötig sei.
Er hatte sie angesehen mit einem Blick, als wüsste er genau, wer sie war, was sie bewegte und ausmachte. Als sei er ein guter Freund und treuer Begleiter, mit dem man jederzeit über alles reden könnte.
„Gott, bitte hilf ihm und uns!“ betete sie, wandte sich um und betrachtete die Palme, die zugegeben nun aussah wie nach einem Überfall. Ein belustigtes Schmunzeln ging über ihr Gesicht.
An dieses Ereignis würde sie ihr Leben lang denken, insbesondere wenn sie in nächster Zeit ihren Garten betrat. Es hatte sich mehr als gelohnt.
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